Carport in Bad Homburg
Ausnahmsweise kein Wohngebäude, sondern ein besonders Bauwerk für zwei Fahrzeuge: In Bad Homburg entstand neben einem bestehenden Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung ein Carport, der sich sensibel in die Architektur und die Umgebung einfügt.
Das Konzept war klar definiert – eine funktionale Überdachung, die dennoch Leichtigkeit vermittelt und die Qualität des angrenzenden Wohnraums bewahrt. Die Souterrain-Einheit des Hauses verfügt über ein großes Fenster mit Lichtgraben, das direkt zum Carport ausgerichtet ist. Trotz der neuen Überdachung sollte der freie Blick in den Himmel erhalten bleiben. Dieses Ziel wurde durch Streckmetall-Paneele in der Untersicht erreicht: Aus einer Richtung blickdicht, öffnen sie sich aus der anderen Perspektive transparent und geben den Blick in den blauen Himmel und die umgebende Natur frei.
Die obere Deckung besteht aus großformatigen Glasscheiben, die das Licht sanft durchscheinen lassen und eine visuelle Verbindung zwischen Innenraum und Außenraum schaffen. Gestaltung und Proportionen des Carports orientieren sich an der bestehenden Architektur – insbesondere an der Überdachung des Hauseingangs. Die Höhe des Dachaufbaus, die kubische Form und die präzise gesetzte Edelstahlstütze nehmen die Sprache des Wohnhauses auf und führen sie konsequent fort.
Eine Schattenfuge trennt den Carport elegant von der bestehenden Sichtbetonwand. Nachts wird diese durch ein LED-Band inszeniert, das den Eindruck verstärkt, die Konstruktion schwebe. Auch zum rückwärtigen Technikraum wurde eine Schattenfuge ausgebildet, wodurch der Carport optisch nur auf seiner einzigen Stütze zu ruhen scheint.
Die Ausführung erforderte einen äußerst präzisen Entwurf, konstruktiven Austausch zwischen Bauherr, Architekt und Schlosser und detaillierte Werkszeichnungen vom ausführenden Schlosserbetrieb. Sämtliche technische Elemente – Beleuchtung, Träger und Befestigungen der schweren Glaselemente – wurden unsichtbar integriert. Die Beleuchtung ist individuell steuerbar, sodass sie sich flexibel an Tageszeit, Jahreszeit und Umgebungshelligkeit anpassen lässt – bewusst ohne die Lichtverschmutzung zu erhöhen.
Das Ergebnis ist ein Carport, der weit mehr ist als nur ein Funktionsbau – ein klar strukturiertes, schwebend wirkendes Bauwerk, das Architektur, Technik und Materialität zu einem stimmigen Ganzen verbindet. Präzise Planung bis ins letzte Detail hat sich sichtbar gelohnt.
Projektinfo
Baujahr 2024
Bauherr privat
Projektleitung Jan Jüttemann, Svenja Harnischmacher
Fotograf Markus Aatz